Freitag, 2. Mai 2014

Mein T-Shirt-Quilt - die Anleitung


Am Dienstag habe ich Euch den T-Shirt-Quilt für meinen Sohn gezeigt. Ich habe mich über die vielen Kommentare von Euch sehr gefreut. So eine Decke ist eben mehr als ein paar zusammengenähte Stücke Stoff.  Jedes Shirt hat eine Geschichte und erinnert an besondere Momente. Jedes Shirt hat man x-Mal in der Hand gehabt, gewaschen, gebügelt in den Schrank gelegt und seinem Kind wieder angezogen. Und jedes zu klein gewordene Kleidungsstück ist ein Beweis dafür, dass das eigene Kind wieder ein Stück gewachsen ist.  Als Mutter sieht man das natürlich mit Freude - aber immer auch mit einer gewissen Wehmut. 

Wahrscheinlich werde ich diejenige sein, die in ein paar Jahren mit dieser Decke kuschelt und sich daran erinnert, wie schön die Zeit mit meinem kleinen Jungen war. 

Ich hatte ja schon geschrieben, dass die Tüte mit den Shirts schon länger in der Ecke stand.

Ich habe viel Zeit damit verbracht, im Internet nach Anregungen für so einen T-Shirt Quilt zu suchen. Auf amerikanischen Blogs sieht man sie häufiger. Aber meist waren sie aus Shirts, die sich in der Größe ähnlich waren. Und häufig waren es auch Shirts von Erwachsenen oder zumindest größeren Kindern. Meine Shirts waren aber sehr unterschiedlich groß - von Gr. 98 bis 122. An so einem Shirt in Größe 98 ist nicht viel Stoff dran. Und wenn man dann noch ein Rechteck aus der Vorderseite schneiden will, bleibt nicht viel übrig zum Vernähen.

Außerdem hatte ich Respekt davor, so viele unterschiedliche Stücke Jersey zu einem großen Stück zu vernähen. Jedes Stück ist irgendwie anders in seiner Dehnbarkeit, manche Stoffe waren sehr fein, manche Teile waren durch den Aufrduck kaum dehnbar.

So kam ich dann nach der Anregung von Amandajean Nyberg in "Sunday Morning Quilts" auf die Idee die einzelnen Stücke zu applizieren. 

Hier kommt nun meine Beschreibung der einzelnen Arbeitsschritte:

Ihr braucht für eine große Decke (ca. 2,00 m x 1,40 m):

- 2,10 m Stoff  / 1,40 m breit  für die Rückseite 
- 2,10 m Stoff  / 1,40 m breit  für die Vorderseite
Am besten eignen sich normale Baumwollstoffe. Nach Wunsch kann man sie aus verschiedenen Stücken zusammensetzen.
 - 2,10 m / 1,40 m breit Volumenvlies
Das Vlies sollte nicht zu dick sein, da die Decke durch  die applizierten Shirts ohnehin etwas dicker wird.
- 1 Reststück Jersey  für die Einfassung 
- ungefähr 30 bis 35 Kinder T-Shirts mit Motiv
-  farblich passendes Nähgarn


1. Vorbereitung von Vorder- und Rückseite

Die beiden großen Stoffstücke bügeln.

Auf dem Fußboden wird zunächst der Rückseitenstoff ganz glatt ausgelegt - die rechte Stoffseite zeigt nach unten. Wer mag, kann mit Paketklebeband die Ränder auf dem Boden fixieren.
Darauf wird die Lage Volumenvlies ausgebreitet und vorsichtig glatt gezogen.
Darauf kommt dann der Stoff für die Vorderseite - die rechte Stoffseite zeigt nach oben.

Wer Schwierigkeiten hat, die großen Stoffstücke zu bewegen und glatt hinzulegen, sollte eine zweite Person um Hilfe bitten.

Es ist nun eine Art dreilagiges Sandwich entstanden.
Dieses Sandwich wird mit Nadel und Faden in langen Heftstichen verbunden.

Schneidet dafür einen langen Faden und stecht durch alle drei Lagen in großzügigen Stichen hindurch.  Ich beginne immer in der Mitte der Decke und arbeite wie die Strahlen der Sonne in alle Richtungen lange Bahnen bis an den Rand der Decke. Der Abstand der Bahnen zueinander sollte ca. 10 bis 15 cm betragen.   Durch diese Strahlentechnichnik entstehen zwangsläufig Bereiche, in denen der Abstand größer als 15 cm ist. Hier füge ich immer wieder kürzere Heftnähte ein, bis die gesamte Fläche geheftet ist.

Das Fadenende sichere ich nur mit zwei kurzen Stichen. Es muss nicht bombenfest gesichert werden, weil es später wieder entfernt wird. 

Am Ende sollte sich die gesamte Decke gut bewegen lassen und die drei Lagen dabei gut miteinander verbunden sein.  Eigentlich fühlt es sich schon jetzt wie ein richtiger Quilt an.
Diese Vorarbeit ist sehr wichtig, weil nur durch ein ordentliches Heften gewährleistet ist,  dass später die Applikationen ohne Falten im "Sandwich" aufgenährt werden können.

Ich habe dafür über 3 Stunden gebraucht. Also fast genau so lange wie für das eigentliche Applizieren!


3. Vorbereiten der T-Shirts

Die Shirts sollten natürlich sauber und glatt sein. Wenn notwendig noch einmal bügeln.
Jedes Shirt habe ich erst einmal richtig hin- und hergezogen. Nicht  ausgeleiert - aber nahe dran ;-). 

Dann werden sie auf der Schneidematte ausgelegt und ganz glatt gestrichen. 
Mit einem Schneidelinieal und einem Rollschneider wird dann das größtmögliche Rechteck ausgeschnitten und zwar durch das ganze Shirt hindurch.  Auf den Bildern seht ihr, dass ich bis dicht an die Ärmelnähte und den Halsausschnitt herangeschnitten habe.

Durch das Schneidelineal ist es ziemlich einfach, ein rechtwinkeliges Stück Jersey zuzuschneiden.
Nach dem Schneiden wird nicht mehr an dem Stoff gezogen und gedehnt, da sonst der rechte Winkel wieder futsch ist.

Man könnte jetzt meinen, dass es eine gute Idee wäre, die einzelnen Teile mit Bügelvlies zu verstärken. Ich hatte das natürlich versucht. Mir persönlich waren die Stücke dann aber zu steif für eine Kuscheldecke.



4. Anordnen der Motive

Jetzt kommt der Teil, der Spaß macht!
Die ausgeschnittenen Motive werden auf dem gehefteten "Sandwich" verteilt. Und zwar so lange, bis Euch die Anordnung gefällt. Sollte das eine oder ander Stück zu lang oder zu breit sein, kann man es jetzt in die gewünschte Größe bringen. Natürlich immer (!) mit Lineal und Rollschneider.

Bitte darauf achten, dass die Motive genug Platz zum Rand hin haben. Hier ist noch etwas Verschnitt, wenn die ganze Decke am Schluss begradigt wird (siehe Punkt 6) und die Einfassung braucht auch noch ca. 2,5 cm (siehe Punkt 7).

Als ich alle Motive an ihrem Platz hatte, habe ich jedes mit einer Sicherheitsnadel festgesteckt. Dieses Feststecken ist als Platzhalter gedacht.

Erst kurz vor dem Applizieren habe ich dann jedes Stück ringsherum mit Stecknadeln genau an seinen Platz gesteckt.


5. Applizieren der Motive

Begonnen habe ich in der oberen Reihe. Alle 5 Motive wurden genau ausgerichtet und festgesteckt.  Das hat sich als praktisch erwiesen, weil die Jerseymotive beim Applizieren etwas "wandern". Die besonders elastischen Teile wurden etwas länger oder breiter als vorher.
(Das könnte daran liegen, dass meine Nähmaschinen keinen Oberstofftransporter hat.   Vielleicht ist das "Wandern" mit dieser Zusatzfunktion nicht so ausgeprägt.)

Genäht habe ich mit Geradstich in einer langen Sticheinstellung und dabei jeweils den Nahtanfang und das Nahtende mit Rückstichen gesichert.  Falls man sich doch mal vernäht, ist es einfacher diese Naht wieder auszutrennen ohne den Jersey dabei  zu zerlöchern.
Hin und weider hatte ich kleine Falten im Jersey (siehe Pfeil). Diese  konnte ich mit dem Fingernagel vorsichtig wieder ausstreichen. Auch das wäre bei kurzer Stichlänge nicht möglich gewesen.




Nachdem die obere Reihe festgenäht war, habe ich die zweite Reihe mit Stecknadeln genau an ihren Platz gesteckt. Es war mir dabei eine Hilfe, dass die Motive alle schon mit der Sicherheitsnadeln am richtigen Ort festgesteckt waren.

Ich habe für jedes Motiv ein farblich passendes Obergarn genommen. Ja, das heißt bei jedem Motiv wieder neu einfädeln ;-).
Das Untergarn war natürlich immer gleich und passend zum Rückseitenstoff.

Beim Nähen hatte ich einen ziemlichen Berg Stoff unter der Maschine. Wer nicht das Glück hat, eine Quiltmaschine mit breitem Durchlass zu besitzen,  muss da leider durch. Immer schön ruhig bleiben und Rechteck für Rechteck voranarbeiten.




6. Ränder begradigen und Heftfäden entfernen

Wenn alle Motive festgenäht sind, können die Heftfäden (Punkt 1) wieder entfernt werden und die Fadenenden bei den einzelnen Motiven zurückgeschnitten werden.

Für den letzten Schliff werden jetzt alle Seiten des Quilts mit Lineal und Rollschneider begradigt. Das ist enorm wichtig, damit die Einfassung sauber angenäht werden kann.

Dazu habe ich den Quilt zur Hälfte zusammengeklappt, ihn ausgerichtet und dann durch alle Lagen hindurch geschnitten. Also einmal quer falten und dann erst die linke Längskante durch alle Stofflagen schneiden und dann die rechte Längskante schneiden.

Dann noch einmal längs falten, genau ausrichten und erst die Oberkante und dann die Unterkante gerade schneiden.

Die Ecken habe ich mit einem kleinen Teller abgerundet. Abgerundete Ecken lassen sich etwas einfacher einfassen.



7. Die Einfassung

Zu dem legeren Look der Jersey-Applikation passt nach meiner Meinung auch eine Einfassung in Jersey. Ich hatte hier schon einmal genau beschreiben, wie es geht. Schaut Euch bitte diese Beschreibung an.

Diesmal hatte ich noch ein Stück maisgelben Bündchenjersey, der sehr schön elastisch war und sich sehr gut verarbeiten ließ. In der Anleitung hatte ich die einzelnen Streifen noch miteinander zu einem langen Streifen vernäht. Diesmal habe ich es mir noch etwas einfacher gemacht. Ich habe die Streifen jeweils um ca. 2 cm überlappen lassen, mit einer Stecknadel festgesteckt und dann über beide Lagen Einfassung genäht.

Sollte der untere Streifen etwas hervorstehen, kann man ihn einfach mit einer Schere einkürzen.



8. Genießen


Es ist immer wieder ein tolles Gefühl, wenn so eine Decke fertig geworden ist. Es ist schön, sie in den Händen zu halten und immer wieder hin- und herzudrehen.




Diese Art Quilt ist sicherlich nicht wie ein Quilt aus dem Lehrbuch - also kein klassischer Quilt. Aber gerade das mag ich so daran! Klassische Handarbeitstechniken sind auch dazu da, immer mal wieder abgewandelt und neu interpretiert zu werden.

Mein ganz besonderer Dank geht daher an Amandajean, die mit ihrem Ticker Tape Quilt zeigt, wie einfach es gehen kann. Ich möchte Euch ihren Blog Crazymomquilts und auch das Buch "Sunday Morning Quilts" ans Herz legen. Sie näht so unglaubliche Quilts - immer modern,  immer in wunderbaren Farbkombinationen und oft mit ganz besonderen Kniffen.
(Nur so am Rande: Sie schreibt jetzt gerade auf ihrem Blog eine Reihe, in der es um das  Maschinenquilten geht.   Das finde ich sehr interessant!)

Falls Ihr Fragen haben solltet, werde ich sie gern in den Kommentaren beantworten. Und falls Ihr auch mal irgendwann so eine Decke nähen solltet, würde ich mich riesig freuen, wenn Ihr sie mir zeigt.

Kommentare:

  1. Danke! Gedanklich bin ich gestern schon die Shirts vom kleinen Fuchs durchgegangen... aber sie reichen wohl och nicht für so einen Quilt. Die Idee muss wohl noch ein wenig reifen - aber sowas brauch ich auch! Wundervoll!

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  2. Ich war mir auch erst nicht sicher, ob die Shirts reichen. Als alternative Lösung hätte ich dann auch einige Rückseiten genommen. Beim Zuscheniden fallen ja bei jedem Shirt 2 Rechtecke an - Vorderseite mit Motiv und Rückseite ohne Motiv. Und z.B. ein gestreiftes Rechteck hätte sich zur Auflockerung auch gut gemacht.
    Oder evtl. mal beim Papa im Kleiderschrank stöbern. Ich habe auch ein Papa-Shirt eingebaut. Und sogar ein Mama-Shirt, das bereits zum Kindershirt umgenäht worden war ;-).

    LG, Kirstin

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  3. Danke für die Links und die tolle Anleitung. Ich sammle schon seit ewig Shirts meiner Tochter, habe mich aber noch nicht darüber getraut, weil ich bis jetzt diese Art des Zusammennähens (oben drauf durch alle Lagen) nicht kannte. Sie erscheint mir auf alle Fälle einfacher, als die herkömmliche Art, eben weil Jersey sich so zieht und dann kann das ganze eine ziemliche schiefe Sache werden.
    LG
    Petra

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  4. Wow! Ist das toll. Ich will so einen Quilt nähen - sofort! Aber ich sollte wohl lieber Shirts sammeln...
    Danke für die Anleitung.
    GLG Anna

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  5. Liebe Kirstin.
    Was für eine wundervolle Arbeit! Und welch´ tolle Idee, gerade die heissgeliebten aber viel zu klein gewordenen T-Shirts dauerhaft zu "archivieren"! Klasse! Eine Familienkuscheldecke. Vielen lieben Dank für diese tolle Anleitung und die Empfehlungen. Ob ich die Nerven dau habe, solche Stoffmengen zu bändigen? Ich bin da ja nich so die Geruhsame, wenn es um Stoffberge und brauchbare Ergebnisse geht...*hihi*
    Vielleicht versuche ich mal mein Glück - ich werde berichten!
    Herzlichst,

    LILLY

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  6. Wow, ich bin begeistert und finde das eine wunderbare Idee der Resteverwertung. Danke für die Anleitung.
    LG
    Kerstin

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  7. GRANDIOS und WUNDERSCHÖN !
    Ich bin total begeistert, nicht nur die Idee mit den alten T-Shirts ist genial, auch wie Du den Quilt gestaltet hast. Und dann noch alles fein Schritt für Schritt fotografiert und genau erklärt !
    Das ist eine super Idee, die ich mir merken muss.....man kann ja auch die eigenen T-Shirts verwenden ;-)

    Dein Quilt ist total schön geworden, den würde ich sofort nehmen !

    Liebe Grüße
    Christiane

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  8. Großartig! Ein richtiges "Erbstück". Ich werde jetzt die Shirts vom kleinen Oskar auch erst einmal beiseite legen…:)

    Viele Grüße

    Kristina

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  9. Wow!
    Wunderschön, besser als einmotten, entsorgen, weitervererben.
    Irgendwann im nächsten Leben werde ich das auch machen!!!!
    Lg
    Zottellotte Sonja

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  10. Tolle Idee! Da fange ich gleich mal an zu sammeln. Und hört sich auch relativ einfach an!
    Hätte ich das mit den durch den Teller abgerundeten Ecken mal vor einem halben Jahr gewusst, als ich für meine Tochter eine Quilt-Krabbeldecke genäht habe! So ist sieht jetzt jede Ecke anders und keine richtig schön aus.... naja, als Nähanfänger lernt man nie aus ;-)
    Vielleicht trenne ich die Ecken ja nochmal auf und bearbeite sie nach....

    Liebe Grüße,
    Judith

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  11. Stück für Stück kommen bei Dir einzigartige Decken zusammen. Immer wieder staune ich, wie Du Techniken und vorhandene Materialien zusammenfügst und dabei ganz einmalige Decken entstehen. Deine Jersey-Decke ist ganz einzigartig und für Eure Familie stecken sicher viele Erinnerungen und Emotionen drinnen. Deine Technik für Jersey ist durchdacht und effektiv, wobei das Volumen einer Decke und die Elastizität sicher trotzdem Tücken hat, die Du bravourös gemeistert hast. Offenkantiges Jersey finde ich sowieso spannend.
    Gedacht habe ich an so was auch schon, hätte hinter die Stücke sicher dünnen Klebevlies gebügelt und mit Crazy Patchwork die Blockgrößen angepasst.
    Deine Decke ist so schön individuell und lebendig, ganz toll.
    LG Ute

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