Donnerstag, 6. November 2014

Der Kindergartenquilt - von der Idee zur Präsentation




Am Dienstag habe ich Euch den Kindergartenquilt gezeigt, der im vergangenen Sommer zusammen mit den Kindern der Bärengruppe im Kindergarten unseres Sohnes entstanden ist.

Vielleicht habt Ihr ja Lust bekommen, etwas Ähnliches auszuprobieren?

Dann zeige ich Euch einfach, wie es hier bei uns gelaufen ist:

Meine ersten Gedanken gingen in die Richtung, dass für die Kindergartengruppe eine Decke entstehen sollte, die ähnlich wie die Decke für meinen Sohn, aus alten Shirts der Kinder gestaltet sein sollte. Natürlich sollte sie groß genug sein, so dass man sich gemütlich damit zudecken kann.
Schnell war mir klar, dass es etwas langweilig wird, wenn man nur die Shirts nimmt. Jedes Kind sollte selber mit Hand anlegen und etwas gestalten. Jedes Kind soll seinen eigenen Block bekommen!
Bei 20 Kindern müsste die Decke also aus 5 Reihen mit jeweils 4 Blöcken bestehen. Jeder Block sollte 0,40 m x 0,35 m groß sein, so dass man ein Endmaß von ca. 2,00 m x 1,40 m erhält.

Für mich war die Sache damit klar - aber wie vermittele ich meine Idee den Eltern der anderen 19 Kinder und den Erzieherinnen?  Eine kurze Ansprache auf dem Elternabend bescherte mir Interessse bei Einigen und große Fragezeichen in den Gesichtern der Anderen.





Also habe ich einen Brief an alle geschrieben, das Ganze erklärt und eine Skizze gemacht. Außerdem habe ich in dem Brief um ein Shirt von jedem Kind gebeten. Für Interessierte habe ich auch ein kleines Musterstück genäht und auf Pappen geklebt.  Diese Pappen standen dann im Gruppenraum und ich konnte so die Fragen besser beantworten und zeigen, wie ich mir das alles vorstelle.



Dann trudelten die Shirts ein.
Ich habe sie in einer großen Tüte gesammelt. Ganz wichtig: den Namen des Kindes gleich gut sichtbar an dem Kleidungsstück anbringen! Entweder mit Edding an den Rand auf das Shirt schreiben oder einen Zettel mit Sicherheitsnadel anheften.
Es war ein großer Berg Klamotten, der da bei mir eintrudelte.
Einige Teile waren so süß, dass ich sie mir gut auf der Decke vorstellen konnte. Bei anderen Teilen waren die Motive aber auch mal sehr klein und/oder recht verwaschen und/oder fleckig. Das ist eben die Herausforderung an der Sache.

Man muss die Dinge nehmen wie sie sind.


Schließlich war es so weit und konnte mit den Erzieherinnen Termine für Basteltage absprechen.
Ich war an diesen Tagen schon zum Frühstück im Kindergarten. Die Kinder kamen dann nacheinander zu dritt oder zu viert und ich habe ihnen die Aufgabe erklärt. Die Erzieherinnen haben  die Kinder jeweils in den Gruppenraum geschickt, während der Rest der Bande draußen gespielt hat. 

Beim ersten Treffen haben wir mit Stoffschnipseln Collagen gebastelt. Die Kleineren haben einfach das ausgeschnitten, was Ihnen besonders gut gefiel. Die größeren Kinder haben Muster aufgeklebt, kleine Bilder gestaltet oder vorgezeichnete Formen mit ihren Stoffschnipseln ausgefüllt.

Ich hatte dazu einen großen Berg kleiner Stoffreste, Schneiderscheren, Klebestifte und einfarbige Stoffe mitgebracht.
Beim zweiten Termin haben die Kinder ihre Handabdrücke aus auf Stoff gemacht. Man darf wirklich nicht unterschätzen, wie schwierig es für Kinder sein kann, ihre eigene Hand mit Pinsel und Farbe so anzumalen, dass man damit Stempeln kann!

Zu diesem Termin hatte ich einfarbige helle Stoffe / alte Bettwäsche mitgebracht.

Es ist einfacher, wenn man diese Arbeiten mit zwei Erwachsenen begleitet.  Auf dem Foto ist meine Mama gerade mit den Kindern beschäftigt. Es war für sie auch ein besonderer Tag, denke ich. Wann ist man als Oma schon mal im Kindergarten?



Es sind viele, viele Sachen entstanden. Das Allerwichtigste auch hierbei ist natürlich: den Namen der Kinder auf jedes Teil schreiben!  Man kann sich bei 20 Kindern unmöglich merken, was zu wem gehört.

Zu Hause habe ich dann größere Briefumschlage genommen und darin jeweils die Shirts, Collagen und Handabdruck für jedes Kind aufbewahrt.

Die Collagen waren mit Klebestift aufgeklebt und mussten noch festgesteppt werden.Die Abdrücke habe ich vorher gut gebügelt, um die Acrylfarbe zu fixieren.




Dann habe ich über Tage Umschlag für Umschlag genommen und daraus Blöcke genäht: Shirts zerschnitten, Stoffe arrangiert, Handabdrücke appliziert.



Es gab einige Mütter, die angeboten hatten, mir zu helfen. Leider war niemand mit Näherfahrung dabei. Dennoch hatte ich anfangs die Idee, dass man sich treffen könnte, um gemeinsam an der Decke zu arbeiten. Leider hatte ich dann über Wochen und Monate große Probleme mit meinem Fuß und schließlich die Operation. Das hat mich sehr ausgebremst und ich habe mich letzendlich entschieden, alles selber zu nähen.

(Zu dieser Zeit waren gerade unsere Besuchskatzen bei uns. Ich konnte mich hundertprozentig darauf verlassen, dass zumindest eines der Fellbündel kam, sobald ich den Stoff auf den Boden legte.  Das macht die Arbeit zwar nicht unbedingt schneller - aber doch wesentlich gemütlicher!)




Die Einfassung habe ich wieder ganz einfach mit Jersey gemacht. Aus irgendwelchen Gründen hat dabei meine Nähmaschine gestreikt und immer wieder Stiche ausgelassen. An diesen Stellen musste ich etwas improvisieren  und habe die kleinen gestreiften Teile einfach darüber genäht. Irgendwie hat mir dann gerade dieser Teil an der Decke besonders gut gefallen.




Zum Schluss wurde es noch etwas hektisch, weil ich tatsächlich einen Abgabetermin für die Decke hatte.  Im Kindergarten wurde nämlich eine Vernissage mit allen Kunstprojekten des Kindergartenjahres veranstaltet.

Und so hing unsere Decke dort zusammen mit Bildern aus gefärbten Eierschalen, Schiffen aus Holz, Gemälden aus Gewürzen, Upcycling-Kunst und Tieren aus Knete und wurde vom zahlreichen Publikum bewundert. Die Kinder waren zu Recht sehr stolz auf ihr Werk! Und ich natürlich auch.


Besonders gefreut hat es mich, dass neben der Decke eine digitaler Bilderrahmen stand. Eine Erzieherin hatte an unseren Basteltagen ganz viele Fotos von den Kindern beim Werkeln gemacht. Diese Bilder liefen nun dort als Endlosschleife. 


So.
Und jetzt Ihr ;-)!

Vielleicht konnte ich Euch eine kleine Anregung geben, es selber mal mit so einem Projekt zu versuchen.  Der erste Schritt ist dabei wahrscheinlich der schwierigste. Der Rest kommt dann schon - Schritt für Schritt.

Für mich hat sich die Mühe gelohnt und ich bin sehr stolz auf die kleinen Bärenkinder.

Und mal schaun - vielleicht gibt es eine Wiederholung in ein paar Jahren.
Wir haben ja jetzt ein Schulkind ....

Kommentare:

  1. Allen Respekt vor Deinem Einsatz !!!...DAS ist ja soooo eine geniale Idee ! Bei uns im Landratsamt hängt auch eine Applikation als Wandteppich an der Wand, den Kindergartenkinder gemacht haben. GAAAANZ toll !!!

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  2. Nachahmen reizt mich uuuuuuunglaublich! In meinem Kopf läuft schon eine Machbarkeitsstudie. :-)

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  3. Einfach wundervoll. Die Idee, die Umsetzung, unglaublich. Ganz großes Kompliment.

    LG, Annie

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  4. Eine wunderbare Idee und Ausführung! Solche Eltern bräuchte man viiiieeeel! Bin an weitere Projekte gespannt. Liebe Grüße, Éva

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  5. Oh Kirstin,
    wunderbar ist eure Decke geworden. Schön bunt und sicherlich kuschelig warm. Und schon spinnt mir ein Projekt im Kopf herum, das ich mit den Grundschulkindern verwirklichen könnte. Ich finde Gemeinschaftsprojekte, an denen alle gemeinsam einen Anteil erbracht habe, unbezahlbar. Da muss ich doch mal in mich gehen ...! ;-)
    Ganz liebe Grüße und schön dass du wieder da bist
    Claudia

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  6. Waaaaaahnsinn, was du da an Arbeit und Zeit hineingesteckt hast... Wie schön, dass sich die Kinder begeistern ließen und nun sehen können, was man gemeinsam schaffen kann ;-) Lieben Gruß Ghislana

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  7. Auf diese Decke könnt ihr (du, die Kinder, deine Mutter, die Erzieherinnen) wirklich stolz sein. Eine wunderbare Idee. Während unserer Zeit in Amerika habe ich einmal wöchentlich an einer Crafts-Gruppe in der Nursery School meiner Tochter teilgenommen. Dort wurde jedes Jahr von vielen freiwilligen Helferinnen ein Quilt erstellt, der nach der Fertigstellung während einer Silent Auction verlost wurde. Das fand ich auch schon eine gute Idee, aber die Kinder selbst mitgestalten zu lassen, ist natürlich noch viel schöner.
    Liebe Grüße
    Carmen

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  8. Ganz, ganz toll!! Hut ab, dass du das alleine gestemmt hast. Ich werde die Idee mal in meinem Herzen bewegen. Mein Sohn kommt nächstes Jahr in die Schule und es wäre eine grandiose Abschiedsidee. In unserer Kita gibt es zum Glück einige nähkundige und -begeisterte Mütter, so dass wir es mit vereinten Kräften vielleicht etwas einfacher hätten. Vielen lieben Dank für die Inspiration. Herzliche Grüße aus Horn, Simone

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  9. Ein klasse Projekt, dieser Quilt, Kirstin, und ganz offensichtlich supergut organisiert und mit Liebe genäht!!! Dazu diese vielen Kinder-Kleinigkeiten, die Handabdrücke, ... Diese gestreiften kleinen Ausbesserungen im Binding finde ich genial, sie geben dem Quilt ein gewisses Etwas ... Ich bin schwer beeindruckt!!! ;))) Mit lieben AbendGrüßen! KirstEn ;))) (Und du kommst aus Bremen ... Endlich auch mal jemande aus dem Norden!!! ;))) )

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  10. Wow! Dieser Quilt ist so toll und an die Entstehungszeit werden sich sicher alle beteiligten noch lange erinnern. Ich werde mir diese Idee auf jeden Fall merken und in 2 Jahren mal ansprechen, wenn unser letztes Kitajahr beginnt.

    Schön, dass du wieder zurück bist und mit deinem Blog gegen das Novembergrau hilfst. :-)

    Lieben Gruß
    minnies

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Schön, dass du hier bist. Ich freue mich immer über eine Nachricht von dir!