Dienstag, 20. März 2018

Frühlingserwachen 2018



Schon im letzten Jahr fragte Judith vom Blog Septembers Quilt Delight an, ob ich bei ihrem Bloghop „Frühlingserwachen 2018“ mitmachen möchte. Draußen war es dunkel, kalt und doof. Natürlich wollte ich da Frühling! Danke für die Einladung, liebe Judith.

Und dann fing ich an, mir ein Projekt zu überlegen.
Zwei Dinge gibt es, auf die ich mich im Frühling besonders freue: viel Zeit im Garten zu verbringen und bei Sonnenschein über Flohmärkte zu schlendern. Ich könnte mir vorstellen, dass es vielen von Euch so geht wie mir, oder?!
 
Deshalb lag es irgendwie nahe, dass ich diese beiden Themen für meinen Beitrag bei Judiths Bloghop verbinde. 

Auf Flohmärkten bin ich immer auf der Suche nach alten Stoffschätzchen. Im letzten Jahr habe ich zusätzlich begonnen, nach Oberhemden und Blusen in schönen Farben Ausschau zu halten. Die Stoffe, die für Oberhemden verarbeitet werden, sind meist recht hochwertig, sehr fein gewebt, leicht zu bügeln und es gibt sie in wunderschönen pastelligen Farben. Gestreift, kariert, uni oder mit eingewebtem Muster. Die Auswahl ist riesig! Ich habe mittlerweile sogar „meinen“ Händler. Es ist ein älterer russischer Herr, der sich immer freut, wenn ich ihn in seiner Sprache anspreche. Er hat einen grooooßen Anhänger voller Klamotten – Stück 1 €. Und er hilft mir bereitwillig beim Suchen nach ganz bestimmten Farben und Mustern – auch wenn er die Vorstellung scheinbar sehr lustig findet, dass ich die Sachen zerschneiden möchte um daraus Decken zu nähen.
Auf ein Wiedersehen mit ihm freue ich mich wirklich!!

Falls Ihr noch keine Oberhemden sammelt, hier ein paar Tipps für den nächsten Flohmarktbesuch:  

1)     Am besten sind gerade geschnittene XXL Langarmhemden für Herren. Daraus bekommt ihr Unmengen an Stoff. Vorsicht bei Slim fit und Damenblusen! Durch die Abnäher im Rücken und an der Oberweite  wird es schwierig, verwertbare Stücke zu schneiden. 

2)     Macht bei jedem Stück einen ausgiebigen Test. Fühlt sich der Stoff schön glatt und fest an? Ist das Muster verfärbt? Ist es 100 % Baumwolle? Natürlich werden nur Hemden gesammelt, die sehr gut erhalten sind. Ich achte auch darauf, dass ich nur Hemden aus dem klassischen dünnen Hemdenstoff nehme. Dickere Stoffe wie Jeans, Cord oder Flanell bereiten Probleme, wenn man sie damit kombinieren möchte. 

3)     Ein Farbschema macht das Sammeln leichter. Wer Blau mag, wird schnell fündig. Auch Rosa und Lila sind gut vertreten. 

4)     Auch wenn Ihr Streifen lieber mögt als Karos: sammelt von beidem etwas. Wenn ihr ein Patchwork-Projekt plant, wirkt ein Mix an Mustern in verschiedenen Größen gleich viel interessanter. Hoch lebe die Vielfalt!

5)     Helle oder dunkle Töne? Auch hier gilt: beides sammeln.  Viele Patchwork Muster leben von einem hell / dunkel Kontrast, der dem Genähten mehr Tiefe gibt. 

6)     Habt mehrere Projekte im Kopf, wenn ihr auf Stoff-Jagd geht. Ihr möchtet unbedingt einen Quilt in hellen Blautönen? Dann findet ihr garantiert nur Rosa. Aber daraus könnte ein Kleid für ein kleines Mädchen werden oder eine neue Bluse im Mustermix. Und wenn es gerade nur dunkle Karos gibt, ist das vielleicht ein Fingerzeig des Schicksal, dass ihr einen Quilt für den Lieblingsmann zu Weihnachten nähen solltet. Bleibt flexibel!

7)     Der Weg ist das Ziel. Manchmal dauert es einfach seine Zeit, bis man genug Material für ein größeres Projekt zusammen hat. Genießt den Moment, führt nette Gespräche mit den Händlern, gönnt euch vielleicht ein Eis oder einen Kaffee.  

Zurück vom Flohmarkt wandern die Stoffe bei mir sofort in die Waschmaschine und werden bei der höchstmöglichen Temperatur gewaschen. Helle Hemden wasche ich grundsätzlich bei 60 Grad mit Vollwaschmittel – auch wenn  40 Grad Maximum auf dem Etikett stehen. Da müssen sie einfach durch!  Einen Stoff, der nach Flohmarkt oder Second Hand riecht, möchte man schließlich nicht verarbeiten.  

Hinterher dürfen die Hemden in der Sonne trocknen und - Tadaaa! -  man hat frische, duftige Hemden, diebereit sind für jede Form der Veränderung. 

Auf diese Art und Weise hat sich bei mir im letzten Jahr ein recht ansehnlicher Haufen von Blusen und Oberhemden gebildet. Ich hatte einige Ideen dafür im Kopf, aber irgendwie fehlte immer der Kick, um damit zu beginnen.  


Womit wir wieder beim „Frühlingserwachen“ wären. Ich sah´ mich nämlich schon an einem schön gedeckten Gartentisch sitzen, mitten im Grünen, Vögel zwitschern, Kuchen auf dem Teller …


Stopp!! 

Da gibt es nur ein klitzekleines Problem. Wir haben uns vor 2 Jahren einen runden Gartentisch gekauft, für den ich noch keine passende Tischdecke habe. Ich bin Meisterin im Improvisieren und so habe ich halt rechteckige Decken irgendwie drapiert und gefaltet bis es passte.  Eigentlich könnte ich mir doch endlich ein quadratisches Tischtuch nähen, oder? 

Gedacht – getan!  Ein Stapel Hemden war schnell ausgewählt und ich begann sie zu filetieren. Soll heißen: ein großes Rechtecke aus dem Rücken, zwei schmale Rechtecke aus den Vorderteilen und zwei Rechtecke aus den Ärmeln schneiden.


Einige der großen Stücke habe ich zu einem Mittelteil vernäht. Jeweils an die Seiten kamen die aus den schmalen Vorderteilen gepatchten Paneele. Und die letzten beiden Seiten wurden hauptsächlich aus den Ärmeln genäht.  

Jede Naht an meiner Tischdecke ist eine französische Naht. Ich mag französische Nähte. Sie machen so eine schöne saubere Rückseite (eine Anleitung gibt es z.B. hier ).

Es bleibt Euch überlassen, ob Ihr die rückwärtige Nachzugabe noch einmal feststeppt. Dann habt Ihr auf der Vorderseite eine sichtbare Naht. Oder ihr bügelt sie einfach nur zur Seite. Ich habe sie beim Mittelteil gesteppt und an den Seitenteilen nicht.  Ich mochte mich nicht festlegen. Am besten probiert Ihr auf einem Stoffrest mal aus, was Euch optisch besser gefällt.  



Wie Ihr seht, habe ich die Taschen an den Hemden mitverarbeitet. Und ich sage Euch natürlich auch warum. Im Sommerwind neigen Tischdecken dazu, wegzufliegen.  Man kann natürlich diese komischen Klammerteilen anklippen – wenn man sie gerade zur Hand hat. Und sie nicht wieder in irgendeiner Schublade (Welcher nur?!?) verstaut sind.



Ich werde künftig einfach ein paar kleinere Steine zum Beschweren in die Hemdentaschen stecken. Problem gelöst! Das ist doch cool, oder ?!! Hach, ich liebe Upcycling und die MÖGLICHKEITEN, die sich daraus immer wieder ergeben.


Man könnte dort auch Zettelchen hineinstecken oder andere Dinge, die sich sonst bei dem kleinsten Windstoß auf und davon machen würden. Insgesamt habe ich 7 Taschen vernäht. Da bieten sich also diverse Möglichkeiten.
 


Mein schönes Tischtuch ist federleicht und nimmt nicht viel Platz weg. Ich kann es im Sommer also auch zum Picknick mitnehmen und dort als Tischtuch  benutzen. Oder als Sonnensegel. Oder als Schal. Oder um Dinge einzuwickeln. Falls es schmutzig wird kann ich es waschen und bei fiesen Flecken sogar bis zu 60 Grad (siehe oben).



Und das Allerbeste kommt zum Schluss. Ich habe noch viele kleine Stoffreste über. Die werde ich jetzt sortieren, zu Rechtecken und Streifen schneiden und zur Seite packen. Auch die vielen Knöpfe und Etiketten behalte ich. Im Laufe des Gartenjahres werde ich daraus immer mal wieder ein weiteres Teil für den Garten nähen. Tischsets, Kissen, kleine Decken – ich sehe schon eine richtige Gartenkollektion vor meinem geistigen Auge!! Und bestimmt finde ich beim nächsten Flohmarktbummel noch weitere Hemden, die sich gut dafür eigenen.  



Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine Sache, um mein Glück vollkommen zu machen.

Frühling!!

Komm` endlich raus, mein Freund!

Morgen geht es weiter mit dem Frühlingserwachen bei Jule von Chaos & Queen. Schaut doch mal vorbei!


PS: Und weil es so schön passt, verlinke ich mich doch gleich  noch zu Gaby`s Linkparty "Tisch, ich deck`dich!"



Kommentare:

  1. Liebe Kirstin,

    Nach einem sonnigen Tag hier im Rheinland kommt dein Post wie gerufen. Spannend wie jede dem Frühling aus anderen Blickwinkeln entgegen fiebert. Flohmärkte mag ich ebenfalls gerne, die Tipps nach deinen Kriterien nach Hemden, Stoffen dirt zu suchen klasse und so eine Upcyclingtischdecke macht sich auf dem großen Tisch hervorragend. Danke dass du beim Bloghop dabei bist.

    Lg Judith

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  2. Wow, das ist wirklich, wirklich cool! Ich muss zugeben, dass ich mehr die Shoppingtante denn eine Upcycling-Näherin bin. Aber diese Tischdecke ist super! Tolle Decke und tolle Idee!
    Deine
    Julia

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  3. Liebe Julia, DAS freut mich ja nun wirklich! Wenn ich jemanden dazu inspirieren kann, Upcycling in Erwägung zu ziehen, ist das wirklich schön. Und man kann diese Stoffe ja auch mit gekauften, aktuellen Stoffen ergänzen. Man braucht dann halt nur viel, viel weniger davon! Ich denke gerade über eine Kombi mit Liberty of London Stoffen nach... Lass mal von dir hören, wenn du was genäht hast. LG, Kirstin

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  4. Liebe Kirstin,

    danke, für deine detaillierten Ausführungen zum „Hemdenkauf“ ... =)
    Eine interessante Idee, über die ich schon, aber noch nicht wirklich nachgedacht habe ...
    Und schon immer haben mich diese herrlichen alten Upcycling-Quilts fasziniert ...
    Mal schauen ...
    Deine Runder-Garten-Tisch-Frühlings-Decke jedenfalls ist wunderschön geworden ...
    und wirkt so leicht und luftig ...
    Mit ganz herzlichem Gruß
    Kirsten

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  5. Da erwacht nicht nur der Frühling, sondern auch Dein Blog wieder ein bisschen: Wie schön! Ich freu mich, wieder ein bisschen ausführlicher von Dir zu lesen. Die Idee mit den Steinen in den Taschen ist Klasse! Spannend, welche unerwarteten Wendungen sich beim Upcycling immer wieder ergeben. Ich habe einen Stapel abgetragener Oberhemden den Göttergatten immer noch nicht fertig zum 6-Köpfe Quilt verarbeitet. Aber bald brauchen wir die neue Picknickdecke, die daraus entstehen wird, also ran an die Manschetten (sag ich zu mir selbst). Deine Tischdecke würde auch ganz großartig in die Linkparty "Tisch, ich deck Dich!" bei mir am Blog passen, noch dazu wo das März-Thema "Ecken" lautet - in diesem Fall Vierecke. Sag, magst du Dich da vielleicht verlinken? Das würde mich freuen. glg, Gabi

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  6. Das ist eine ganz großartige Idee - sieht sowas von luftig und leicht aus. Deine Erzählung ist auch luftig und sehr gut zu lesen, es gefällt mir wie nett du z.B. über die Einkaufsquelle schreibst.
    LG eSTe

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  7. Sehr fein, diese Tischdecke! Ich habe auch keine passende quadratische für unseren runden Gartentisch und möchte eine nähen für diesen Sommer. Aber das mit den eingearbeiteten Taschen (genial!) hat mich jetzt noch auf eine andere Idee gebracht, was ich aus den aufgehobenen schönen Hemden meines Vaters machen könnte... Ich werde berichten.
    Danke für die Inspiration und liebe Grüße,
    Brigitte

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  8. Das sieht wirklich sehr hübsch aus! Ich schneide mir von alten Hemden immer die Knopfleiste ab, weil ich sie als Verschlüsse für selbstgenähte Kissenhüllen weiterverwende. Ein Hoch auf jegliches Recycling!!
    Liebe Grüße von Tanja

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  9. Eine ganz tolle Idee, wie man den alten Hemden ein neues Leben geben kann!

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  10. Oh, diese Tischdecke mag ich sehr und die TaschenNeuNutzung ist einfach großartig!!! Französische Nähte sind wirklich sehr ansehnlich und so könnte die Decke ja beidseitig verwendet werden... Deine Flohmarkttipps sind stark, ich bin so gar kein Flohmarktgänger und könnte mich mit diesen Tipps sogar mal trauen ;o)
    Ganz liebe Grüße aus Franken, Katrin

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